Pflanzen auf der ISS

Erstmals ist es der NASA gelungen, eine Blume im Weltall aufzuziehen. Diese Zinnienblüte bestück die ISS und ist ein erster Schritt in Richtung Marsmission.

Sie ist orange und eine echte Sensation: Diese Zinnienblüte leuchtet auf der Welt­raum­station ISS. Erstmals ist es der NASA jetzt gelungen, eine Blume im Weltall heran­zu­ziehen. Das Ziel: Bei der geplanten Marsmission sollen lebende Pflanzen mit an Bord sein.

Schon seit Apollo 13, als Sauerstoffmangel in der Raumkapsel die gesamte Mission gefährdete, stehen Pflanzen im Fokus der US-Raumfahrtbehörde – sind sie doch die einzigen Lebewesen, die Sauerstoff produzieren. Ein groß angelegtes Forschungsprogramm brachte weitere erstaunliche Fähigkeiten ans Licht, die auch für das Arbeitsumfeld in Unternehmen wichtig sind.

Grüne Lungen liefern „eco support"

Ansonsten eher unwirtlich: Der Arbeitsplatz des Astronautenteams um Scott Kelly (l.) auf der ISS schwebt in lebensfeindlicher Umgebung knapp 322.000 Kilometer von der Erde entfernt. Fotos: NASA.Denn was die NASA anstrebt, gilt als echter „eco support": Die Pflanzen sollen Weltraumreisende eigenständig mit gesunder Luft versorgen. Schon 1989 hat die „NASA Clean Air Studie" zudem die luftreinigende Wirkung von Zimmerpflanzen u.a. in Bezug auf Nikotin und Formaldehyd, Benzole und Trichloräthylen nachgewiesen. „Diese Erkenntnis war für die Raumfahrt, aber vor allem auch für die Begrünung von Arbeits- und Wohnräumen auf der Erde von entscheidender Bedeutung", erklärt Lutz-Peter Kremkau, Sprecher des bundesweiten Verbunds „die Raumbegrüner".

Salatbuffet auf der ISS

Mit der biologischen Filterung der Raumluft gibt sich die Raumfahrt allerdings nicht mehr zufrieden. Die NASA will künftige Weltraum-Pioniere zudem mit frischer Nahrung verpflegen können – ein maßgebliches Kriterium für den Erfolg der geplanten Marsmission. Die größte Hürde: Ohne Sonnenlicht und Schwerkraft fehlt den Pflanzen die Energie und die Orientierung für ihr Wachstum. Doch in diesem Winter gelang es: Die Astronauten auf der ISS haben als erstes Weltraumgemüse, einen roten Römersalat verspeist. In einer „Veggie-Unit", einem Mini-Gewächshaus für den Weltraum, haben die Kosmonauten die Pflanzen mit Hilfe von rotem, blauen und grünen LED-Licht, das die Energie für das Pflanzenwachstum liefert, heranziehen können. Gewachsen ist der Salat auf Nährstoffkissen, die den Pflanzenwurzeln ganz ähnliche Bedingungen bieten wie die bekannte Hydrokultur. Die Idee, Pflanzen in Hydrosystemen heranzuziehen, wird in der Raumbegrünung seit langem erfolgreich umgesetzt. Denn neben der Pflegeleichtigkeit erlaubt die Hydrokultur den Einsatz von Grün in immer neuen Gestaltungsvarianten.

  

Die Erfahrungen der Kosmonauten, hier Scott Kelly, mit lebendem Grün im Weltall nutzen die Raumbegrüner auf der Erde für die Gestaltung gesunder Lebens- und Arbeitsräume – hier ihr Sprecher Lutz-Peter Kremkau.

Grüne Wände aus lebenden Pflanzen

Salatpflanze im NährstoffkissenGerade haben „vertikale Gärten" ihren Siegeszug angetreten – grüne Wände aus lebenden Pflanzen, die bioaktiv für den Raum wirken, d.h. die Luft biologisch filtern und gleichzeitig eine natürliche Atmosphäre schaffen, die Motivation, Konzentration und Wohlgefühl messbar fördert.

Ähnliche vertikale Anlagen werden inzwischen auch für die Kultur von Nutzpflanzen weltweit getestet. Kremkau: „In den Lebensmodellen der Zukunft wird den grünen Indoor-Gärten von Klimaverbesserung bis Nahrungsmittelproduktion eine sehr viel entscheidendere Bedeutung zukommen."