Pflanzen im Weltall

Wissenschaftler wollen in einer Simulation zeigen, dass Pflanzen auf dem Mars oder dem Mond überleben können. Eine Rakete soll zwei Gewächshäuser ins All schießen.

Dr. Jens Hauslage, Forscher am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
DLR

Räume mit Pflanzen einrichten, das ist schon auf diesem Planeten ein Job für Profis. Doch jetzt wollen Wissenschaftler Pflanzen an den lebensfeindlichsten aller Orte verfrachten: Eine Rakete soll sie im Frühjahr 2017 in zwei Gewächshäusern ins All schießen.

Rund 1,5 Jahre lang sollen sie in 600 km Höhe über dem Erdball kreiseln und zeigen, ob sie auch in der Schwerkraft von Mond und Mars existieren können. Die zwei Mini-Gewächshäuser, jedes kleiner als ein Schuhkarton, sitzen auf einem Satelliten, der rotiert und so die Gravitation simuliert: Erst reist ein Gewächshaus unter Mond-, dann das zweite unter Marsbedingungen, während Kameras und Sensoren die Abläufe erfassen.

„Die Experimente an Bord werden wichtige Ergebnisse liefern, um ein Überleben der Menschheit in lebensfeindlichen Räumen zu ermöglichen, sei es im Weltraum oder auf der Erde", erklärt Dr. Jens Hauslage (38), wissenschaftlicher Leiter der „grünen" Weltraum-Mission.

Überleben dank Pflanzen

Die Ernährung auch unter schwierigsten Bedingungen sicherstellen – in Katastrophengebieten oder während eines Flugs zum Mars –, das ist Ziel seiner Forschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln: „Eu:CROPIS ist ein kleiner Satellit, aber ein großer Schritt in der Frage, ob ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem gelingen kann."

Wenn also ein Mensch in Krisen-Situationen in einem geschlossenen Raum Schutz sucht – könnte er darin nur in der Gesellschaft von Pflanzen überleben? Genau das will Hauslage beweisen. Denn Pflanzen produzieren für den Menschen zum einen den lebensnotwendigen Sauerstoff und liefern ihm zum anderen Früchte, Obst und Gemüse. Im Gegenzug kann der Mensch mit seinen Ausscheidungen dann die Dünger-Quelle sein.

„Jeder Mensch produziert pro Jahr rund 11 kg Harnstoff, der u.a. die Hauptnährstoffe für Pflanzen enthält. Das Verwerfen dieser wertvollen Rohstoffe ist mit dem regenerativen Denken nicht vereinbar", betont der Biologe.

Tomaten gedeihen mit Harn und Bio-Abfall Während es gängige Praxis ist, den „tierischen Mist" als Dünger aufs Feld zu bringen, rauscht der menschliche Stoff ins Klo. Hauslages Ziel war es, die Inhaltsstoffe der Ausscheidungen möglichst schnell, effektiv und auf kleinstem Raum verwertbar zu machen. Das gelang mit der Entwicklung von C.R.O.P. (Combined Regenerative Organic food Production), einer Biofilteranlage auf Basis von Mikroorganismen und Lavastein, die mit jeder Sorte Bio-Abfall z.B. Tomaten gedeihen lässt.

Während der unbemannten Weltraumreise wird die Versorgung zunächst mit künstlichem Urin erfolgen. Dann heißt die Überlebensgemeinschaft aus Tomatenpflanzen und Euglena-Algen Eu:CROPIS (Euglena and Combined Regenerative Organic food Production In Space).

Faszination Pflanze

Die Ergebnisse der Weltraum-Mission werden von den Raumbegrünern mit Spannung erwartet. „Das fasziniert uns sehr; täglich haben wir das Lebewesen Pflanze im Blick, sie ist uns ans Herz gewachsen und kann uns immer wieder aufs Neue erstaunen", heißt es. „Schon öfter hat die Raumforschung bahnbrechende Erkenntnisse über Pflanzen geliefert, wie z.B. 1989 nit der Clean-Air-Studie der NASA. Heute können wir dieses Wissen in die Praxis tragen und für jedes Haus, sei es Firma oder privat, anwendbar machen."